Geschichte und Fototour: Cēsis oder Wenden – Der estnisch-lettische Freiheitskrieg und das Denkmal zu Ehren der Schlacht von Wenden

In der Nähe der Kleinstadt Cēsis im heutigen Lettland – die damals noch Wenden hieß – fand vom 19. bis 23. Juni 1919 die schicksalhafte Schlacht von Wenden zwischen estnisch-lettischen Truppen und der durch deutsche Freikorps verstärkten Baltischen Landeswehr statt. Die Baltische Landeswehr bestand im Wesentlichen aus der deutschbaltischen Bevölkerung Livlands, die sich auf Grund der politischen Verhältnisse und des Bürgerkrieges nach der Oktoberrevolution des Jahres 1917 ihrer nationalen Integrität beraubt sah. Die einmalige Gunst der Stunde nutzend, strebten Litauer, Letten und Esten zum ersten Mal seit vielen Jahrhunderten nach einer nationalen Unabhängigkeit

Lettland hatte am 18. November des Jahres 1918 formal seine Unabhängigkeit erklärt. Regierungschef war Kārlis Ulmanis, ein Mitgründer des Bauernverbandes, der sich besonders für einen eigenständigen lettischen Staat engagiert hatte. Dieser neue Staat war in den ersten Jahren äußerst fragil, weil ein Teil der lettischstämmigen Einwohner die Bolschewiki unterstützte und die baltendeutsche Minderheit ernsthafte Separationspläne hatte. Schon bald kam die Regierung Ulmanis in Bedrängnis. Aus Richtung Osten drangen Truppen der Bolschewiki, die von Roten Lettischen Schützen unterstützt wurden, in Richtung der Hauptstadt Rīga vor.

Am 4. Januar 1919 wurde Rīga von den bolschewistischen Truppen eingenommen. Die Bolschewiki begannen daraufhin durch Kurzeme (dt.: Kurland) in Richtung Ostpreußen vorzustoßen. Die an sich entgegengesetzten Interessen von Deutschen, Baltendeutschen, Letten und Esten sowie den Mächten der Entente führten wegen dieser Situation zu einer eher unheilvollen Allianz, die das Ziel hatte, die Truppen der Bolschewiki soweit wie möglich nach Osten zurückzudrängen. Es wurde eine gemeinsame Armee unter Generalmajor Rüdiger von der Goltz gegründet, die aus regulären deutschen Truppen und Freikorps bestanden, an denen sich auch Baltendeutsche, Letten und Esten beteiligten. Die lettischen und russischen Teile der Baltischen Landeswehr unter Jānis Balodis, der später Krieggsministser wurde, und Anatol von Lieven erklärten sich für neutral.

Die Truppen der Bolschewiki konnten von dieser vereinten Armee bis zum 22. Mai 1919 bis östlich von Rīga zurückgedrängt werden. Bei dieser militärischen Aktion wurden gemäß einer Order des deutschen Generalkommandos nur Letten eingesetzt. Allerdings hatte es zuvor am 26. April einen Regierungsputsch gegeben, der von der baltendeutschen Oberschicht und dem Deutschen Generalkommando Lettland initiert wurde. Andrievs Niedra, ein lettischsstämmiger Pastor – der wie viele seiner Standesgenossen selbst Gutsherr war und jegliche Form einer Revolution hasste – und ebenfalls Mitglied des Bauernverbandes, wurde Ministerpräsident. Kārlis Ulmanis musste auf ein Schiff, das sich unter der dem Schutz von Großbritannien befand und im Hafen von Liepāja (dt.: Libau), vor Anker lag, flüchten.

Nach der Einnahme von Rīga verschlechterte sich das Verhältnis der bisherigen Koalitionspartner sehr schnell und brach schließlich nach dem Versuch der Baltischen Landeswehr, ganz Lettland zu besetzen, auseinander. Die Baltische Landeswehr begann in das nördliche Lettland (etwa die Linie Saulkrasti – Cēsis – Madona), das wegen des Putsches von estnischen Truppen besetzt war, einzumarschieren. Die Truppen Estlands waren wegen der Hilfslieferungen aus Großbritannien der überlegene Gegner und sie bekamen Unterstützung durch das neu aufgestellte Lettische Nordkorps.

Das Lettische Nordkorps war für schnelle Entscheidungen bekannt: Es begann sofort mit der Enteignung der Gutsbesitzer im notlettischen Gebiet. Das brachte dieser Armee eine ungeheure Sympathie bei den Letten ein und viele der bisher auf der Seite der Bolschewiki kämpfenden Letten desertierten und traten in die Lettische Nordkorps über. Am 5. Juni 1919 kam es zu ersten Gefechten in der Gegend um Cēsis. Die Baltische Landeswehr konnte die Stadt an der Gauja auch erst einmal einnehmen. Durch Vermittlung von Vertretern der Entente wurde am 10. Juni 1919 ein vorläufiger Waffenstillstand geschlossen, der aber nur wenige Tage bestand hatte.

Am 19. Juni 1919 begann die Eiserne Division mit einem Angriff auf lettisch-estnische Stellungen nahe der Kleinstadt Limbaži, der in Straupe nach etwa 30 Kilometern zum Stillstand kam. Die Eiserne Division erlitt eine Niederlage. Die zugezogene Landeswehr konnte gar nicht erst in das Kampfgebiet vordringen. Sie wurde bei Lode nur wenige Kilometer nördlich von Cēsis aufgehalten und trat am 23. Juni 1919 den Rückzug an. Der Sieg in der Schlacht von Wenden lag eindeutig auf Seiten der lettisch-estnischen Truppen. Diese marschierten nun schnell in Richtung Rīga. Die Truppen von Generalmajor Rüdiger von der Goltz hatten dieser Streitmacht trotz Verstärkung nichts mehr entgegenzusetzen. Am 3. Juli 1919 wurde der Frieden von Strasdenhof – einem Stadtteil von Rīga – geschlossen.

Die Bedingungen des Friedens von Strasdenhof waren unter anderem folgende:

  • Waffenstillstand ab 3. Juli 1919 zur Mittagszeit.
  • Die deutschen Truppen unter Rüdiger von Goltz mussten Lettland verlassen.
  • Die Stadt Rīga musste bis zum 5. Juli 1919 um 18:00 Uhr von deutschen Truppen und der Landeswehr geräumt sein.
  • Es durften keine Depots geräumt werden, die nicht den deutschen Truppen gehörten.
  • Jegliche Kampfhandlungen waren ihnen untersagt, außer gegen die Truppen der Bolschewiki.
  • In Folge des Waffenstillstandes kehrte Die Regierung Ulmanis nach Rīga zurück. Die Regierung Niedra trat zurück.
  • Die Baltische Landeswehr wurde unter dem Kommando des Briten Harold Alexander in die lettische Armee eingegliedert. Die estnische Armee zog sich hinter die Grenzen Estlands zurück.
  • Die baltendeutsche Minderheit verlor endgültig ihre elitäre Stellung. Gutsbesitzer wurden bis auf ein Restgut mit einer Größe von 100 Hektar enteignet. Das Land an Letten verteilt.

In Folge des Waffenstillstandes kehrte die Regierung Ulmanis nach Rīga zurück. Die Regierung Niedra trat zurück. Die Baltische Landeswehr wurde unter dem Kommando des Briten Harold Alexander in die lettische Armee eingegliedert. Die estnische Armee zog sich hinter die Grenzen Estlands zurück. Grenzstreitigkeiten zwischen Lettland und Estland – zum Beispiel im Falle der Stadt Valka/Valga, die von beiden Staaten beansprucht wurde – kamen im Jahre 1920 vor ein alliiertes Schiedsgericht, das von Militärangehörigen in eher kampferprobten Rängen geleitet und vor Ort von ihnen für alle Ewigkeit entschieden wurden,

Im Falle von Valka/Valga war es der britische Oberst Stephan Tallents, der die Grenzen zwischen Lettland und Estland bis heute festlegte. Die mehr als als 800-jährige Geschichte der Deutschen als der Elite des Baltikums endete endgültig, als sie letztendlich 1939 nach dem Molotow-Ribbentrop-Pakt aus Loyalität zum Deutschen Reich des Diktators Adolf Hitler mit allem transportablen Gut in Richtung Warthegau zogen…

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