Review: Corel After Shot Pro – Der einzige kommerzielle RAW Konverter für Linux im Kurztest

Letztes Update am von Birk Karsten Ecke

Corel After Shot Pro ist der einzige kommerzielle RAW Konverter, der prinzipiell für Linux erhältlich ist. Der Vorgänger von After Shot Pro war Bibble, bis die Software im Jahre 2011 von Corel übernommen wurde. Ob eingefleischte Linux Nutzer jemals eine kommerzielle Software benutzen würden, sei in diesem Kurztest mal dahingestellt. Hier geht es um die grundsätzliche Verwendbarkeit von Corel After Shot Pro in der aktuellen Version 3.5.0.350 vom 04.10.2018.

Zuerst einmal ist festzustellen, dass Corel After Shot Pro nur für wenige der Linux Distributionen, wie Debian oder Ubuntu, dieses aber ohne Unity Desktop, zur Verfügung steht! Neben den *.deb Installationspaketen stehen auch *.rpm zur Verfügung. Die *.rpm Pakete sind laut Corel Support für Fedora 19 gedacht. Alle Installationspakete sind nur für x86 (64 Bit) Linux verfügbar.

Ich habe Corel After Shot Pro 3.50.350 unter Kubuntu Linux 18.04 LTS ausprobiert. Der Download der 30 Tage Testversion als *.deb Paket war bei einer überschaubaren Dateigröße von 84 Megabyte schnell erledigt. Die Installation der Software verläuft ebenfalls sehr zügig und problemlos. Für After Shot Pro wird ein Icon im Anwendungsstarter von Kubuntu installiert.

Die Systemanforderungen für After Shot Pro 3 sind für heutige Verhältnisse für alle unterstützten Plattformen (macOS, Windows, Linux) eher bescheiden. Hier werden aber nur die für Linux aufgeführt:

  • 64 Bit Intel- oder AMD-Prozessor
  • 2 Gigabyte Arbeitsspeicher
  • 250 Megabyte Festplattenspeicher
  • 1024 x 768 mit 16 Bit Farbtiefe für den Monitor

After Shot Pro startet recht zügig. Beim ersten Start muss man je einen Ordner für Einstellungs- und Katalogdateien festlegen. Zum Programmfenster sind ein paar Anmerkungen zu machen. After Shot Pro weicht mit seiner Benutzeroberfläche deutlich von DxO, Lightroom oder Capture One ab. Der Workflow zum Bearbeiten und Entwickeln von RAW Fotos ist aber dennoch logisch gegliedert.

 

Bild: Der Startbildschirm von Corel After Shot Pro 3.5 unter Kubuntu Linux 18.04 LTS.

Bild: Der Startbildschirm von Corel After Shot Pro 3.5 unter Kubuntu Linux 18.04 LTS.

 

Bild: Beim getesteten RAW Konverter handelt es sich um Corel Aftershot Pro 3.5.350. Die Software ist ausschließlich als 64 Bit Version verfügbar.

Bild: Beim getesteten RAW Konverter handelt es sich um Corel Aftershot Pro 3.5.350. Die Software ist ausschließlich als 64 Bit Version verfügbar.

 

Aber: Wenn man durch die Korrektureinstellungen auf der rechten Seite des Programmfensters scrollen will, verschiebt man den Korrekturregler, auf dem der Mauszeiger steht und nicht die Fensterposition. Man muss also genau mit dem Mauszeiger auf dem Scrollbalken des Hauptfensters stehen. Das Schlimme an diesem Verhalten ist, dass man es nicht gleich bemerkt.

Viel schlimmer, ist dass die Korrekturregler erst einmal nicht vollständig in das Hauptfenster passen. Abhilfe schafft das Verbreitern des Hauptfensters, was aber zu Lasten der Breite des Editorfensters and damit auch der Bildkontrolle geht. After Shot Pro kann mit Katalogen arbeiten oder Dateien aus Verzeichnissen einlesen, wobei es aber keine Unterverzeichnisse einlesen kann.

 

Bild: In der Standardeinstellung von Aftershot Pro 3.5 passen die Schieberegler und das Histogramm nicht ganz in das Hauptfenster.

Bild: In der Standardeinstellung von Aftershot Pro 3.5 passen die Schieberegler und das Histogramm nicht ganz in das Hauptfenster.

 

Die Vorschauen der RAW Dateien erscheinen nach dem Einlesen zügig im Thumbnail Fenster. Das Fenster kann in der Breite variiert werden, so dass man auch eine mehrspaltige Ansicht erzeugen kann. Das Thumbnail Fenster kann auch unter dem Editorfenster angeordnet werden.

Für mich gravierend ist der Umstand, dass After Shot Pro 3.5 keine RAW Dateien der Olympus OM-D E-M1 Mk II lesen kann. Dieser Umstand ist auch mit der gleichen Version für macOS verifizierbar. Die Unterstützung dieser Kamera ist aber in der Spezifikation von After Shot Pro 3.5 ausdrücklich aufgeführt (externer Link): https://www.aftershotpro.com/de/products/aftershot/pro/#tech-specs. Eigentlich könnte ich diesen Kurztest damit gleich beenden …

Kommen wir nun zur Kernkompetenz eines RAW Konverters, nämlich dem Bearbeiten und Entwickeln von Fotos. Wie bereits geschrieben, sind die Aktionen des Workflow logisch angeordnet und man kann sich schnell einarbeiten. Allerdings wird an dieser Stelle deutlich, dass After Shot Pro 3.5 den teureren RAW Konvertern, wie DxO Shot Lab, Adobe Lightroom oder gar Phase One Capture One vom Funktionsumfang nicht das Wasser reichen kann. Zur Qualität der entwickelten Fotos kommen wir später.

Es gibt auch diverse kostenpflichtige und kostenlose Plugins, die man von der Corel Website herunterladen kann. Absolut nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind die Presets. Sie wirken zum einen lieblos ausgewählt und außerdem würde ich im Jahre 2019 auch erwarten, dass eine Live-Vorschau eingeblendet wird, wenn man mit dem Mauszeiger über den Preset geht, Fehlanzeige! Da ist AfterShot echt um Jahre zurück!

Die Krux ist nämlich: Um sich die Wirkung des Presets anzusehen, muss man ihn auf das Foto anwenden. Das ist ein Klick mit der Maus. Wenn man ihn rückgängig machen will, dann muss man das mehrfach machen. Vollkommen unlogisch! Bei eigentlich immer erforderlichen manuellen Anpassungen der Fotos ist die Software ebenfalls nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Man muss sich durch zahllose Unterebenen des Hauptfensters klicken – immer in der latenten Gefahr, beim Scrollen nicht das Fenster, sondern einen Schieberegler zu verschieben.

Außerdem muss man mit den Grid Plugins vorsichtig sein. Vor dem Exportieren des Fotos muss man sie wieder deaktivieren. Sie werden sonst mit exportiert. Siehe unterstehenden Screenshot.

 

Bild: Beim Exportieren von Fotos muss man mit eingeblendeten Grid Plugins vorsichtig sein. Die Grds werden einfach mit exportiert.

Bild: Beim Exportieren von Fotos muss man mit eingeblendeten Grid Plugins vorsichtig sein. Die Grds werden einfach mit exportiert.

 

Beim Entwickeln der RAW Fotos kann After Shot Pro dann zumindest bezüglich erforderlichen Zeit punkten. Der Export, sowohl im TIFF, als auch im JPEG Format geht wirklich schnell. Die entwickelten Fotos entsprechen aber – egal was man an Anpassungen anwendet – nicht der Qualität, die DxO, Lightroom oder Capture One bieten. Der Aufwand, um mit After Shot Pro vorzeigbare Fotos zu erzeugen, ist immens. Wenn es denn überhaupt gelingt. Da kann man auch nicht mit einem Preis von knapp 70,- EURO argumentieren.

 

Bild: Ein Foto mit exakt den gleichen Standardanpassungen. Dieses ist mit After Shot Pro 3.5 entwickelt.

Bild: Ein Foto mit exakt den gleichen Standardanpassungen. Dieses ist mit After Shot Pro 3.5 entwickelt.

 

Bild: Ein Foto mit exakt den gleichen Standardanpassungen. Dieses ist mit dem freien Raw Therapee 5.3 entwickelt.

Bild: Ein Foto mit exakt den gleichen Standardanpassungen. Dieses ist mit dem freien Raw Therapee 5.3 entwickelt.

 

Bild: Ein Foto mit exakt den gleichen Standardanpassungen. Dieses ist mit dem kommerziellen DxO Photo Lab 2.2 entwickelt.

Bild: Ein Foto mit exakt den gleichen Standardanpassungen. Dieses ist mit dem kommerziellen DxO Photo Lab 2.2 entwickelt.

 

Mein persönliches Fazit:

Eigentlich hätte ich diesen Test bereits abbrechen sollen, als ich festgestellt habe, das die von mir genutzte Olympus OM-D EM-1 Mk II nicht unterstützt wird, obwohl sie gelistet ist. Ich hätte mir eine Menge Arbeit gespart. Für macOS und Windows gibt es genügend Alternativen zu After Shot Pro, die auf der Höhe der Zeit sind und das Geld, was sie kosten auch Wert sind. Wer mit Linux arbeitet, sollte sich unter den freien RAW Konvertern umsehen. Abgesehen von der nicht unterstützten Kamera möchte ich einen RAW Konverter, mit dem ich meine Fotos in einer absehbaren Zeit bearbeiten und entwickeln kann. After Shot Pro wurde gefühlt seit 10 Jahren nicht mehr wirklich weiterentwickelt.

 

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